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12.11.2015

Frankfurter Restrukturierungsforum wieder mit hoher Beteiligung

Die Niedrigzinspolitik sorgt zwar für viel Geld im Markt, es ist aber nicht leicht zu haben – so eine wichtige Erkenntnis des 5. Frankfurter Restrukturierungsforums, das am 9. November 2015 stattfand. Etwa 100 Gäste verfolgten die Diskussion zum Thema „Fluch und Segen des billigen Geldes: Dauerhafte Lösung oder die Anlage einer neuen Krise?“.

Deutschland weist aktuell gute Konjunkturdaten auf, es ist genügend Liquidität im Markt. Befinden wir uns auf einer „Insel der Glückseligkeit“ oder ist dies nur ein geliehener bzw. gedopter Aufschwung? Darüber haben Experten beim 5. Frankfurter Restrukturierungsforum diskutiert.

Den Abend eröffnete Prof. Dr. Christoph Schalast, Rechtsanwalt und Notar, Professor für Mergers & Acquisitions, Wirtschaftsrecht und Europarecht, Frankfurt School of Finance & Management, mit seinem Impulsvortrag. Er betrachtete zunächst die möglichen Auswirkungen niedriger Leitzinsen: Wie erwartet würden Banken günstige Kredite vergeben, Unternehmen würden investieren und auch die Währung verliere an Wert. Jedoch fände erstmals – unerwartet für die Volkswirte – eine Entkoppelung von Geldmenge und Inflationsrate statt, so der Jurist. Obwohl erstere deutlich steige, da der Leitzins weiterhin niedrig sei, nehme die Inflationsrate nicht zu. Die Gewinner der aktuellen Geldpolitik seien nach Prof. Dr. Schalast die Investoren, verschuldete Staaten, langfristig verschuldete Unternehmen und Privathaushalte. Verlierer hingegen seien die Sparer, Steuerzahler, Pensionskassen und Anbieter von Lebensversicherungen.
Sein Fazit: Die aktuelle Zinspolitik sei einerseits ein Segen, denn: Die Märkte hätten an Stabilität gewonnen, da sie mit Kapital geflutet wurden. So würden auch die verschuldeten Euroländer vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt. Derzeit könnten schwierige Projekte leichter finanziert und risikoreichere Investments getätigt werden. Refinanzierungen gelängen deshalb u.a. im Private Equity Sektor entgegen allen Erwartungen. Es gäbe weniger Insolvenzen, Restrukturierungen, Sanierungen oder NPL Transaktionen (non performing loan). Die aktuelle Niedrigzinspolitik sei anderseits aber auch ein Fluch, denn dadurch entstünden neue Risiken in der Versicherungswirtschaft – bspw. könnten Lebensversicherungen ihre langfristigen Garantien nicht mehr refinanzieren. Es könnte in den Bereichen Real Estate, Kunsthandel und Aktien eine Blase entstehen.

In der anschließenden Diskussionsrunde – moderiert von Agnes Bosse (Partnerin bei GSK Stockmann + Kollegen in Frankfurt) und Eva Ringelspacher (hww Unternehmensberater GmbH) – diskutierten Thomas Fox (Geschäftsführender Gesellschafter Reviresco Management Ltd.), Tobias Reichelt (Leiter Restrukturierungsfinanzierungen, Financial Engineering, Commerzbank AG) und Prof. Dr. Christoph Schalast weiter über das billige Geld und dessen Auswirkungen.

Derzeit gäbe es nur wenige Unternehmen in der Krise, so Reichelt. Krisenursache seien jedoch nicht externe Faktoren: Die Unternehmen leiden oft an hausgemachten Problemen. Aber es gibt auch Branchen, die besonders betroffen sind: Fox sieht hier vor allem die Solarindustrie und generell die Energiewirtschaft – durch die Energiewende – in der Krise. Aber auch dem Handel prognostiziert der Interimmanager keine rosige Zukunft. Vor allem nach Weihnachten werde es aus seiner Sicht für einige stationäre Händler ein böses Erwachen geben. Und es werde in den nächsten Jahren auch wieder große Ketten treffen.
Auf Unternehmensseite führt aufgrund der Niedrigzinspolitik selten die Finanzierung zu Problemen, so der Banker Reichelt. Aber: „Das Geld ist zwar billig, aber es ist nicht leicht zu haben“. Fox bezeichnet es treffend: „Es ist viel Geld da, aber es ist scheues Geld“. Der Zinssatz sei für viele Investoren nicht das entscheidende Kriterium. Bei Investoren hat Fox zwei Gefühlswelten ausgemacht – Angst und Gier. Erst wenn die Angst durch ein gutes Geschäftsmodell und überzeugende Story besiegt würde, träte die Gier ein und es werde investiert.

An einen signifikanten Zinsanstieg in überschaubarer Zeit glaubt keiner der Referenten. Und alle sind sich darin einig: Wenn die Zinsen nur marginal um 2 bis 3 Prozent steigen würden, hätte es keine großen Auswirkungen. „Unternehmen, die das nicht verkraften, bei denen stimmt das Geschäftsmodell nicht“, bringt es Fox auf den Punkt. Der Interimmanager hat eine andere große Sorge: „Wenn die Deutschen nicht mehr an die Fiktion glauben, das Geld wertvoll ist, dann haben wir grundsätzlich mittelfristig ein ganz anderes, schwerwiegendes Problem. Denn im Gegenteil zu früher kann man eben nicht mehr ein Vermögen durch Sparen erreichen.“

Die Veranstalter des Frankfurter Restrukturierungsforums sind GSK Stockmann + Kollegen, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungs-gesellschaft und hww hermann wienberg wilhelm. Das Restrukturierungsforum ist eine Plattform für Experten der Branche und bringt zwei Mal pro Jahr alle an der Sanierung eines Unternehmens Beteiligten zusammen. Hochrangige Gäste stellen aus verschiedenen Blickwinkeln ein aktuelles Thema vor und teilen ihr Expertenwissen mit den Gästen in der Diskussion.

Mehr Informationen unter: www.frankfurter-restrukturierungsforum.de.

Die nächste Veranstaltung findet im Frühjahr 2016 statt.

Ansprechpartner GSK Stockmann + Kollegen:
Agnes Bosse