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19.11.2014

Restrukturierung ist wertvoll – und muss daher angemessen bezahlt werden

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„Alles umsonst? – Was Restrukturierung und Insolvenz kosten dürfen“ – diesem brisanten Thema widmete sich am 13. November das siebte Münchener Restrukturierungsforum. Über 100 Gäste wollten wissen: Was ist der richtige Preis für Sanierungsleistungen? Die Referenten waren sich einig: Es gibt nur den jeweils der Situation angemessenen Preis. Dieser muss jedoch transparent und nachvollziehbar sein.

Jedem Unternehmer und Gläubiger ist klar: Sanierung oder Insolvenz kosten Geld und die Profis, welche die Restrukturierung oder die Insolvenz begleiten, müssen dafür bezahlt werden. In der öffentlichen Wahrnehmung gab es zuletzt aber auch Fälle, bei denen eine Selbstbedienungsmentalität der Berater und Insolvenzverwalter behauptet wurde. So stand der Insolvenzverwalter von Lehman Brothers in der Kritik, weil ihm ein Gutachten bescheinigte, dass seine Vergütung über EUR 900 Millionen betragen könnte.

Thomas Steinberger, Restrukturierungs-Partner bei PricewaterhouseCoopers AG, griff daher bei seinem Impulsreferat auch gleich die zwei Extrempositionen auf, welche zu den Kosten der Sanierung vertreten werden: „Der Unternehmer sagt oft zu Beginn: ‚Geschenkt ist noch zu teuer‘. Meine Großmutter kommentierte notwendige und als sinnvoll betrachtete Ausgaben hingegen oft mit den Worten: Was kost’s, des kost’s.‘"

Steinberger lieferte eindringliche Beispiele, warum Restrukturierung in den letzten Jahren teurer geworden ist: „Wir haben eine Komplexitätsexplosion in der Restrukturierung erlebt.“ Während noch vor 15 Jahren die Restrukturierung vor allem zwischen dem Unternehmen und der Hausbank verhandelt wurde, müssen heute oft mehrere verschiedene Finanzierungsklassen berücksichtigt werden, die jeweils mit eigenen Beratern verschiedene Interessen verfolgen. „Restrukturierung dauert daher heute oft länger als früher. Allerdings ist sie auch erheblich professioneller geworden.“

Dr. Christoph Niering, Partner bei Niering Stock Tömp Insolvenzverwaltungen und Vorsitzender des Verbands der Insolvenzverwalter in Deutschland griff zu Beginn der Podiumsdiskussion nochmals das System der Vergütung im Insolvenzverfahren auf: „Wir sollten das Vergütungssystem für Insolvenzverwalter reformieren. Die Regeln müssen transparenter, einfacher und leichter nachzuvollziehen sein. Warum es derzeit über 100 Sondertatbestände gibt, welche die Gebühren erhöhen können, versteht kein Mensch mehr.“ Aber auch die Kosten der Berater vor der Insolvenz müssten diesen Kriterien entsprechen: „Wenn da gute Arbeit geleistet wurde, darf diese Arbeit auch gut entlohnt werden.“ Wenn jedoch unwichtige Detailfragen in epischer Breite und dann auch noch von mehreren Anwaltskanzleien geprüft worden seien, dann müsse man dies kritisch hinterfragen.

Dr. Christoph Herbst, Partner bei anchor Rechtsanwälte, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Frage, wer die Kosten eigentlich trage: „Letztlich sind es immer die Gläubiger, welche die Restrukturierung und die Insolvenz bezahlen.“ Daher müsste auch eine Prämisse für eine angemessene Vergütung sein, dass die Ergebnisse am Ende den Gläubigern zugutekämen.

An diesem Punkt hakte Dagmar Bösch-Börgmann, Direktionsbevollmächtigte Spezialkreditengagement bei Euler Hermes, ein. Als Gläubigervertreterin sitzt sie auch in Gläubigerausschüssen und achtet auf eine bestmögliche Befriedigung der Gläubiger: „Der gesetzliche Stundensatz für diese Sitzungen liegt bei knapp hundert Euro. Ich finde, das ist auch angemessen.“ Dem wollten sich die übrigen Podiumsteilnehmer nicht anschließen. „Für knapp hundert Euro bekommt man keinen professionellen Berater, da leidet die Qualität“, entgegnete Dr. Niering.

Thomas Steinberger kam daher zu dem Schluss, dass die Angemessenheit der Restrukturierungskosten nicht apodiktisch festgelegt werden könne: „Im Ergebnis gibt es keine Blaupause. Wir müssen die Kosten immer vor dem Hintergrund der Unternehmensgröße, der Höhe der Verschuldung, der Art der Krise und dem Resultat der Sanierung sehen und letztlich auch mit gesundem Menschenverstand fragen: Sind diese Kosten nachvollziehbar und vermittelbar? Restrukturierung ist wertvoll, sichert Werte für die Gläubiger, die Arbeitnehmer und die Eigentümer und muss daher auch ihren Preis haben.“

Das Münchener Restrukturierungsforum ist eine Plattform für Experten der Branche und wird von GSK Stockmann + Kollegen, hww wienberg wilhelm und Deloitte & Touche in München veranstaltet. Es bringt mindestens zwei Mal pro Jahr alle an der Sanierung eines Unternehmens Beteiligte zusammen. Hochrangige Gäste stellen aus verschiedenen Blickwinkeln ein aktuelles Thema vor und teilen ihr Expertenwissen mit den Gästen in der Diskussion. Ein Empfang rundet die Veranstaltung ab. Mehr unter: www.muenchener-restrukturierungsforum.de. Die nächste Veranstaltung findet im Frühjahr 2015 statt.

Die Pressemitteilung steht Ihnen auch als Download zur Verfügung.

Ansprechpartner GSK Stockmann + Kollegen:
Dr. Andreas Bauer